Männergesundheit

Verordnung von Magensäureblockern bleibt heikel

Steigerung bei Kindern um bis zu 173 Prozent

Bei der Verordnung von Magensäureblockern ist nach den massiven Anstiegen über viele Jahre hinweg eine Trendwende erreicht. Im Jahr 2019 verordneten Ärztinnen und Ärzte 12,3 Millionen Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern mindestens einmal sogenannte Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI), die vor allem gegen Sodbrennen, Magenentzündungen und -geschwüren helfen. Das sind 1,3 Millionen Betroffene weniger als noch im Jahr 2016, aber immer noch 61 Prozent mehr als im Jahr 2006 mit 7,6 Millionen Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern. Dies geht aus einer aktuellen Analyse der BARMER hervor. „Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, dass nicht mehr so viele Patientinnen und Patienten Magensäureblocker verordnet bekommen. Hier scheint die kritische öffentliche Debatte über PPI endlich zu wirken. Denn deren langfristiger Einsatz kann das Osteoporose-Risiko erhöhen sowie Nierenerkrankungen, Magnesiummangel und Darminfektionen fördern“, sagt Dr. Ursula Marschall, Leitende Medizinerin bei der BARMER. Unter dem Strich würden aber immer noch zu viele Magensäureblocker verschrieben. Die hohen Verordnungsraten blieben rein medizinisch oder demografisch nicht erklärbar.

Deutliche Anstiege bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Unterteilt in Altersklassen zeigt die BARMER-Analyse, dass vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen den Jahren 2006 und 2019 trotz jüngster Rückgänge verstärkt Magensäureblocker verschrieben bekommen haben. So stieg der Anteil unter den 10- bis 14-Jährigen von 0,42 auf 1,15 Prozent. Das entspricht einem Zuwachs um 173 Prozent. Damit bekamen, hochgerechnet für Deutschland, im Jahr 2019 rund 42.500 Kinder und Jugendliche in dieser Altersgruppe Magensäureblocker verordnet. Unter den 15- bis 19-Jährigen stieg der Anteil um 165 Prozent, von 1,61 auf 4,27 Prozent, was über 168.000 der Personen dieses Alters entsprach. Bei den 20- bis 24-Jährigen lag das Plus bei 123,2 Prozent, und zwar von 2,64 auf 5,89 Prozent, also 272.000 junge Frauen und Männer. „Die Zahl junger Menschen mit PPI-Verordnungen ist zuletzt zwar leicht gesunken. Dennoch sind die Betroffenenraten nach wie vor viel zu hoch. Ein Grund dafür könnte sein, dass sich junge Menschen häufig unter Druck fühlen, was ihnen buchstäblich auf den Magen schlägt“, so Marschall. Zudem sei in dieser Altersgruppe wenig bekannt über das gesteigerte Risiko für Osteoporose oder Niereninsuffizienz durch die Langzeiteinnahme der PPI.

Weniger Verordnungen, aber höhere Dosen

Bei der Analyse der Versicherten, die Magensäureblocker-Verordnungen erhalten haben, fällt eine gegenläufige Entwicklung auf. Einerseits bekommen die Betroffenen pro Jahr weniger Rezepte. Im Schnitt waren es im Jahr 2006 noch 2,9 Rezepte und im vorvergangenen Jahr 2,4 Verordnungen. Das entspricht einem Rückgang um gut 17 Prozent. Allerdings ist im selben Zeitraum die Summe der pro Jahr und Patientin bzw. Patient verordneten Tagesdosen um 100 Prozent gestiegen. „Es scheint, dass inzwischen verstärkt die Personen Magensäureblocker verschrieben bekommen, die sie dringend benötigen. Dabei kann es sich zum Beispiel um Menschen mit langwierigen oder chronischen Erkrankungen handeln, die pro Rezept eine größere Menge an Magensäureblockern verordnet bekommen“, sagt Marschall. Das könne zu einer Zunahme der verordneten Tagesdosen pro Patientin oder Patient führen, weil der Bedarf für kurzdauernde oder niedrig dosierte PPI verstärkt durch die rezeptfreien Varianten abgedeckt würde.

Deutliche regionale Steigerungsraten trotz jüngster Rückgänge

Bei der Betrachtung des Verordnungsverhaltens in den Bundesländern zeigt die BARMER-Analyse denselben Trend wie auf Bundesebene. So ist die Anzahl der Personen, die mindestens ein Rezept über Magensäureblocker im Jahr erhalten haben, zwischen den Jahren 2016 und 2019 überall leicht gesunken. Die stärksten Rückgänge gab es in Rheinland-Pfalz um 16,2 Prozent und Bayern um 15,1 Prozent, die geringsten im Saarland um 5,2 Prozent und Sachsen-Anhalt um 5,9 Prozent. Dennoch ist die Anzahl der Personen mit mindestens einer PPI-Verordnung zwischen den Jahren 2006 und 2019 abgesehen von Bayern und Baden-Württemberg in allen Bundesländern um die Hälfte oder mehr gestiegen. Die größten Zuwachsraten gab es in Bremen mit 84,0 Prozent und Hessen mit 78,9 Prozent, die niedrigsten in Bayern mit 42,8 Prozent und Baden-Württemberg mit 48,7 Prozent. „Tendenziell sind die Steigerungsraten in den Bundesländern größer, in denen bislang etwas weniger Magensäureblocker verordnet wurden. Damit nähern sie sich an ein Niveau an, das nach wie vor zu hoch erscheint“, sagt Marschall.

Quelle: BARMER

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