Männergesundheit

Trotz Krebsrisiko: Zahl der Tabaksüchtigen weiter gestiegen

Rund sechs Millionen Menschen betroffen – KKH-Experte: Auch Passivraucher gefährdet

Rauchen gilt als der größte vermeidbare Risikofaktor für Lungenkrebs. Dennoch ist die Zahl der Tabaksüchtigen in Deutschland weiter gestiegen. Laut Daten, die die KKH Kaufmännische Krankenkasse zum Weltnichtrauchertag am 31. Mai 2026 ausgewertet hat, sind 2024 bundesweit hochgerechnet rund 6,2 Millionen Menschen wegen Tabakabhängigkeit, Entzugserscheinungen, eines akuten Tabakrauschs oder weiterer psychischer Probleme aufgrund von Tabak medizinisch behandelt worden. Das entspricht 74 von 1.000 Einwohner:innen und bedeutet ein Plus im Vergleich zu 2014 von 43 Prozent. Seinerzeit waren im Bundesdurchschnitt noch 52 von 1.000 Einwohner:innen betroffen.

Die KKH-Daten zeigen darüber hinaus, dass die Zahl der Tabaksüchtigen in der zweiten Lebenshälfte deutlich zunimmt. In der Alterspanne zwischen 45 und 74 Jahren lag der Anteil der Starkraucher im aktuellen Auswertungsjahr 2024 bei mehr als zehn Prozent, bei den 60- bis 64-Jährigen sogar bei fast 14 Prozent. In diesem Alter war also jeder Siebte wegen Tabaksucht in ambulanter oder stationärer Behandlung und somit fast doppelt so viele Versicherte wie im Bundesdurchschnitt.

Lungenkrebs: Dreimal so viele Fälle bei Rentnern

Bei der Diagnose von Lungenkrebs zeigt sich ein ähnliches Bild: Die Zahl der Betroffenen im Alter zwischen 65 und 84 Jahren ist mit bis zu 13 Fällen pro 1.000 KKH-Versicherte rund dreimal so hoch wie im Bundesdurchschnitt (vier pro 1.000). 2024 erhielten deutschlandweit zwei Prozent der Versicherten mit einer ärztlich festgestellten Tabaksucht auch die Diagnose Lungenkrebs, unter den 70- bis 84-Jährigen sogar fünf Prozent. Justin Onyechi, Experte für Suchtfragen im Präventionsteam der KKH, betont, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist. „Mithilfe unserer Daten können wir nur diejenigen Fälle erfassen, in denen eine Tabakabhängigkeit auch ärztlich diagnostiziert wurde. Die tatsächliche Zahl der von Lungenkrebs betroffenen Raucher dürfte weitaus höher liegen.“

Tabaksucht: Große regionale Unterschiede

Die KKH-Analyse zur Tabaksucht zeigt große regionale Unterschiede. In Berlin und Sachsen-Anhalt liegt die Zahl der Betroffenen rund um ein Viertel höher als im Bundesdurchschnitt. Dort wurden 2024 mit jeweils 93 beziehungsweise 92 von 1.000 Einwohner:innen die meisten Starkraucher medizinisch behandelt. Die wenigsten Diagnosen stellten Ärzt:innen hingegen in Hessen und Baden-Württemberg. Dort lag die Zahl der Fälle bei jeweils 64 pro 1.000 Einwohner:innen. Den mit gut 87 Prozent größten Anstieg an Tabaksüchtigen von 2014 auf 2024 verzeichnet die KKH in Sachsen-Anhalt, das geringste Plus mit gut 23 Prozent in Hamburg.

Lieber dampfen statt qualmen?

Die Wahrscheinlichkeit, an einem Lungentumor zu erkranken, ist bei Rauchern um ein Vielfaches größer als bei Nichtrauchern. Das hohe Risiko ist auf die zahlreichen Stoffe im Zigarettenrauch zurückzuführen, die entweder nachgewiesenermaßen Krebs verursachen oder im Verdacht stehen, Krebs zu erzeugen. Das Risiko steigt vor allem mit der Dauer des Rauchens und der Menge der Zigaretten. Darüber hinaus kommt es darauf an, wie tief Raucher inhalieren und wie häufig sie an einer Zigarette ziehen. Auch wer den Rauch nur passiv einatmet, läuft Gefahr, an Krebs zu erkranken. Stattdessen also lieber dampfen statt qualmen? „Die Tatsache, dass der Dampf von E-Zigaretten weniger Schadstoffe enthält als Tabakrauch, bedeutet nicht, dass das Vapen unbedenklich ist“, betont Justin Onyechi. Aufgrund fehlender Langzeitstudien lässt sich das Krebsrisiko durch einen langjährigen Konsum von E-Zigaretten zwar noch nicht zuverlässig einschätzen, die KKH rät dennoch davon ab. Auch im Dampf von E-Zigaretten wurden bereits schädliche und potenziell krebserregende Stoffe nachgewiesen.

Rauchstopp wirkt in jedem Alter

„Nichtraucher werden – das ist der sicherste Weg, das Risiko für Lungenkrebs zu verringern“, sagt Justin Onyechi. Das gilt auch für andere Krebsarten wie Mundhöhlen-, Kehlkopf-, Luftröhren- und Bauchspeicheldrüsenkrebs sowie für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Wichtig ist, den Tabakkonsum gänzlich zu stoppen, nicht nur zu reduzieren.“ Positive Effekte stellen sich dann bereits nach kurzer Zeit ein: Schon drei Tage nach der letzten Zigarette bessert sich die Funktion der Atemwege. Bereits eine Woche nach einem Rauchstopp sinkt der Blutdruck und etwa zwei Jahre danach hat ein Exraucher nahezu das gleiche Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen wie ein Nichtraucher. Bereits innerhalb einiger Jahre sinkt darüber hinaus das Erkrankungsrisiko für die meisten Krebsarten deutlich. „Was viele nicht wissen: Aufhören lohnt sich in jedem Alter. Selbst wer erst als über 60-Jähriger auf Zigaretten verzichtet, senkt das Risiko für Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen bereits innerhalb weniger Jahre erheblich“, appelliert der Experte.

Die KKH bietet vielfältige Unterstützung zur Rauchentwöhnung an, unter anderem einen zertifizierten Präventionskurs von NichtraucherHelden, Zuschüsse zu weiteren selbst gewählten Präventionsprogrammen sowie eine neue Suchtbroschüre mit wichtigen Informationen rund um Suchtmittel wie Tabak: Mit dem Rauchen aufhören: Übersicht & Tipps | KKH. Langjährige, starke Raucher:innen zwischen 50 und 75 Jahren können außerdem seit April 2026 einmal im Jahr eine kostenlose Untersuchung zur Früherkennung von Lungenkrebs mittels Niedrigdosis-Computertomographie (CT) in Anspruch nehmen.

Erläuterungen zur Datenanalyse

Die KKH hat folgende Diagnosen nach ICD-10 für die Jahre 2014 und 2024 ausgewertet:
• F17 (Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak, inkl. akuter Rausch, schädlicher Gebrauch, Abhängigkeit, Entzugssyndrom, psychotische Störung). Der einfacheren Lesbarkeit halber wird in der Pressemeldung teils nur von Starkrauchern oder Tabaksüchtigen gesprochen. Der Anteil der KKH-Versicherten mit dieser Diagnose stieg bundesweit von 5,2 Prozent im Jahr 2014 auf 7,4 Prozent im Jahr 2024. Die KKH-Fallzahl lag 2024 bei 122.540, hochgerechnet auf ganz Deutschland bei rund 6,2 Millionen.
• C34 (Bronchialkarzinom). Der Anteil der KKH-Versicherten mit dieser Diagnose betrug bundesweit 0,4 Prozent in 2024, in der Altersgruppe der 65- bis 84-Jährigen bis zu 1,3 Prozent. Die KKH-Fallzahl lag 2024 bei 6.848.
• F17 in Kombination mit C34. Der Anteil der KKH-Versicherten mit dieser Doppeldiagnose betrug bundesweit 2,1 Prozent in 2024. Die KKH-Fallzahl lag 2024 bei 2.543.
Im Jahr 2024 waren also 0,4 von 7,4 Prozent der Versicherten mit der Diagnose F17 auch an Lungenkrebs erkrankt, also 2,1 Prozent.

Quelle: KKH-Kaufmännische Krankenkasse

Die Inhalte basieren auf Angaben der KKH Kaufmännische Krankenkasse und ersetzen keine individuelle medizinische Beratung. Bei Fragen zu Rauchentwöhnung, Vorsorge oder Erkrankungsrisiken sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.