Liebe & Partnerschaft

Netflix statt Nähe? Was Medienkonsum mit Beziehungen macht

Gleicher Abend, gleiche Couch, gleicher Bildschirm – und trotzdem komplett andere Wirkung. Für 42 Prozent der Paare ist der gemeinsame Serienabend ein Moment echter Nähe. Für 28 Prozent ist er ein stilles Nebeneinander. Und fast jede:r Vierte fühlt sich dabei vom eigenen Partner vernachlässigt. Die ElitePartner-Studie 2026 mit 4.350 Teilnehmenden zeigt: Wie Serien, Social Media oder KI auf eine Beziehung wirken, hängt weniger von der Bildschirmzeit ab, als davon, wie sich ein Paar grundsätzlich miteinander fühlt.

Gemeinsame TV-Abende: Mit dem Alter fördern sie weniger Lust, aber auch weniger Frust

Gut 4 von 10 Paaren (42 Prozent) profitieren in ihrer Beziehung vom gemeinsamen Medienkonsum. Bei ihnen fördern gemeinschaftliche Filmabende & Co. sogar körperliche Nähe und Zärtlichkeit. Es gibt aber auch die Kehrseite: So erleben knapp 3 von 10 Paaren (28 Prozent) vor dem Fernseher ein Nebeneinander statt Miteinander.

Spannend: Mit dem Alter verändert sich die Wirkung von gemeinsamer Medienzeit in Beziehungen. Während besonders viele junge Liierte (61 Prozent) in Film- oder Serienerlebnissen einen Nähe-Booster erleben, gilt das nur noch für jede:n Dritten der 50- bis 59-Jährigen (32 Prozent). Gleichzeitig sinkt mit den Jahren aber auch der Frust: Nur noch 25 Prozent der 50- bis 59-Jährigen fühlen sich durch gemeinsames Fernsehen emotional auf Abstand gehalten – bei den 18- bis 29-Jährigen sind es hingegen noch 34 Prozent.

„Noch eine Folge“ statt Zeit für Sex – jede:r Sechste erlebt Ablenkung statt Leidenschaft

Deutlich negativer zeigen sich die Auswirkungen von Medienzeit auf die körperliche Intimität: Fast jede:r sechste Liierte (17 Prozent) erlebt negative Auswirkungen des Medienkonsums auf das gemeinsame Sexleben. Männer berichten davon häufiger (20 Prozent) als Frauen (14 Prozent). Wandert der Blick öfter auf den Laptop oder das Handy als zum Gegenüber, bleiben Spontanität und Intimität häufiger mal aus.

Der KI-Effekt: Zwischen Entlastung und neuen Reibungspunkten

Parallel zur Nutzung klassischer Medien ist seit einiger Zeit auch die Nutzung von Künstlicher Intelligenz Teil des Beziehungsalltags – mit Chancen und neuen Konfliktpotenzialen. So können KI-Tools wie Chatbots Paare durchaus entlasten: 20 Prozent der Liierten nutzen diese insbesondere, um Alltag, Budget, Urlaub oder Einkauf gemeinsam besser zu planen.
Für manche führt die Nutzung sogar zu tieferen Gesprächen: 13 Prozent berichten von intensiveren Diskussionen, seit sie Themen oder Fakten per KI recherchieren. Und mehr als jede:r Zehnte (12 Prozent) nutzt Chatbots & Co. als externe Ratgeber bei Beziehungskonflikten – Männer (16 Prozent) fast doppelt so häufig wie Frauen (9 Prozent). Aber wenn der „KI-Coach“ zur wichtigsten Anlaufstelle wird, kann das am Selbstbild kratzen. Fast jeder sechste liierte Mann (17 Prozent) fühlt sich gekränkt, wenn Antworten lieber beim Chatbot als im persönlichen Gespräch gesucht werden – bei den Frauen empfinden lediglich 10 Prozent so.

Beziehungsqualität entscheidet über Chance oder Risiko

Wie Medien in Beziehungen wirken, hängt allerdings nicht allein von Art und Häufigkeit der Nutzung ab, sondern vor allem davon, wie es dem Paar grundsätzlich miteinander geht. Der gleiche Fernsehabend schafft bei zufriedenen Paaren ein Wir-Gefühl, bei Unzufriedenen Distanz. Knapp die Hälfte der zufriedenen Paare (46 Prozent) erlebt gemeinsame TV-Abende als Kuschelzeit – das ist fast dreimal so häufig wie bei den unzufriedenen Paaren mit nur 16 Prozent. Diese sitzen stattdessen oftmals stumm nebeneinander (60 Prozent vs. 25 Prozent bei Zufriedenen). Unzufriedene Liierte fühlen sich zudem deutlich häufiger vernachlässigt (36 Prozent vs. 22 Prozent), streiten öfter über Medien und KI (34 Prozent vs. 17 Prozent) und berichten häufiger von negativen Auswirkungen auf das Sexleben (27 Prozent vs. 16 Prozent). Auch zwischen Männern und Frauen gibt es Unterschiede: Frauen in unzufriedenen Beziehungen fühlen sich durch Medienkonsum stärker belastet (63 Prozent vs. 55 Prozent bei Männern), während unzufriedene Männer häufiger von negativen Effekten auf das Sexleben berichten (35 Prozent vs. 21 Prozent bei Frauen).

Psychologin und ElitePartner-Expertin Lisa Fischbach:

„Medienkonsum ist in Paarbeziehungen kein neutrales Freizeitverhalten – er wirkt als Katalysator bestehender Dynamiken. Wo Verbindung und Kommunikation gelebt werden, stärkt gemeinsame Medienzeit die Paarbindung als soziales Ritual. Leiden Beziehungen bereits an fehlender Zuwendung und mangelndem Austausch oder besteht bereits emotionale Distanz, beschleunigt digitale Ablenkung die Entfremdung. Psychologisch entscheidend ist die Balance: Paare, die ihre Mediennutzung bewusst gestalten und offen darüber kommunizieren, schützen ihre Intimität. Denn jede Stunde gedanklicher Abwesenheit in der digitalen Welt ist eine Stunde weniger echter Aufmerksamkeit füreinander.“

Quelle: ElitePartner

Die genannten Ergebnisse basieren auf Angaben der ElitePartner-Studie 2026. Aussagen zu Beziehungsdynamiken sind als allgemeine Einordnung zu verstehen.