Ostern Persönlich & Gedanken

Karfreitag – über das, was Männer oft still mit sich tragen

Es gibt Tage, die drücken ein wenig schwerer auf die Seele. Nicht, weil etwas Akutes passiert. Sondern weil das Leben manchmal still an Dinge erinnert, die man sonst gut verpackt hat.

Karfreitag ist für mich kein Tag für große Worte. Eher einer für Ehrlichkeit. Für das, was man sonst überspielt. Für all das, was Männer oft mit sich herumtragen, ohne viel darüber zu sprechen.

Enttäuschungen.
Abschiede.
Verpasste Chancen.
Erschöpfung.
Zweifel.
Angst.

Nicht immer sieht man einem Mann an, was in ihm arbeitet. Viele sind geübt darin, Haltung zu zeigen, obwohl innen längst nicht alles stabil ist. Man macht weiter. Geht zur Arbeit. Antwortet auf Nachrichten. Erledigt Dinge. Funktioniert. Und sagt vielleicht höchstens: „Passt schon.“

Aber nicht immer passt es. Und das ist kein Makel.

Ich glaube, ein Teil männlicher Sozialisation besteht bis heute darin, Belastung möglichst unauffällig zu tragen. Nicht jammern. Nicht zu weich wirken. Nicht zu viel erklären. Stark bleiben. Und bitte dabei noch halbwegs souverän aussehen.

Nur: Stärke ist nicht, nichts zu fühlen. Stärke ist auch nicht, Schmerz wegzulächeln.

Wahre Stärke zeigt sich oft viel leiser.
Im Aushalten.
Im Nicht-Weglaufen.
Im Eingeständnis, dass etwas wehgetan hat.
Oder noch wehtut.

Karfreitag erinnert mich daran, dass schwere Gefühle zum Leben gehören. Auch zu einem männlichen Leben. Vielleicht sogar ganz besonders dort, wo man lange versucht hat, sich nichts anmerken zu lassen.

Nicht jeder Kampf ist sichtbar.
Nicht jede Wunde offen.
Und nicht jede Erschöpfung bekommt einen Namen.

Aber sie ist da. Und sie verdient mehr als Verdrängung.

Vielleicht ist heute kein Tag, an dem alles leichter wird. Vielleicht ist heute einfach ein Tag, an dem man sich selbst nicht belügen muss. Auch das kann heilsam sein.

Manchmal beginnt Würde genau da: wo man nicht mehr so tut, als würde einen nichts berühren.

Bleib Echt. Bleib Du! 🧡
Man liest sich.
Jürgen