Morgenblick

Morgenblick

Schönen Guten Morgen!
Früher wusste man am Samstagmittag ziemlich genau: Jetzt ist Feierabend.
Hier ist Jürgen – Zeit für den Morgenblick!
Heute ist Samstag, der 18. Juli 2026.

Wenn man in den 80ern auf dem Land aufgewachsen ist, dann hatte der Samstag seinen ganz eigenen Takt. Am Vormittag musste noch alles erledigt werden. Einkaufen. Zum Bäcker. Vielleicht noch schnell zum Metzger. Etwas aus der Drogerie holen. Und wenn noch irgendetwas Wichtiges fehlte, dann besser nicht zu lange überlegen.

Denn irgendwann gegen Mittag war Schluss.

Dann wurden die Türen abgeschlossen, die Rollläden heruntergelassen und das Dorf wirkte plötzlich ein bisschen stiller. Wer bis dahin nichts besorgt hatte, musste eben schauen, wie er übers Wochenende kam. Heute klingt das fast ein wenig abenteuerlich.

Kein spätes Herumfahren. Kein „Ich hole das später noch schnell“. Kein ständiges Gefühl, dass irgendwo bestimmt noch etwas geöffnet hat.

Wenn zu war, war zu.

Natürlich war das nicht immer praktisch. Wenn die Milch fehlte, fehlte sie. Wenn man etwas vergessen hatte, musste improvisiert werden. Und als Kind verstand man vermutlich nicht, warum die Erwachsenen am Samstagvormittag plötzlich so eine bemerkenswerte Geschwindigkeit entwickeln konnten. Aber rückblickend hatte diese Begrenzung auch etwas Beruhigendes.

Der Einkauf war irgendwann beendet. Die Erledigungen waren vorbei. Der Samstag durfte anfangen.

Ich erinnere mich an dieses besondere Gefühl, wenn alles geschafft war. Vielleicht stand das Mittagessen auf dem Tisch. Vielleicht ging es später in den Garten, zu Freunden oder einfach hinaus. Es gab nicht mehr ständig die Möglichkeit, noch dies zu erledigen und jenes schnell zu besorgen.

Der Tag bekam eine Grenze. Und mit ihr kam Ruhe.

Heute können wir fast immer noch irgendetwas erledigen. Später, länger, irgendwo. Das ist bequem, keine Frage. Aber manchmal frage ich mich, ob wir dadurch auch ein Stück von diesem klaren Übergang verloren haben.

Diesen Moment, an dem der Alltag sagte: So. Jetzt reicht es. Jetzt ist Wochenende.

Vielleicht war früher nicht alles besser. Ganz sicher nicht. Aber manches hatte einen anderen Rhythmus. Einen, der nicht dauernd verfügbar war und deshalb vielleicht auch deutlicher spürbar machte, wann Arbeit endete und Freizeit begann.

Ich glaube, genau das vermisse ich manchmal ein bisschen.

Nicht die Sorge, ob noch genügend Brot im Haus ist.

Aber dieses eindeutige Gefühl, dass ab Samstagmittag nichts mehr von einem wollte.

Die Läden waren geschlossen.
Die Taschen waren ausgepackt.
Der Tag lag vor einem.

Und irgendwie war das Wochenende dadurch mehr Wochenende.

Tipp des Tages:
Mach heute irgendwann bewusst Schluss mit den Erledigungen — auch wenn die Geschäfte noch geöffnet haben.

Komm gut in diesen Samstag.
Man liest sich.
Jürgen

P.S.:
Und wer damals kurz nach zwölf feststellte, dass etwas fehlte, lernte ganz automatisch eine wichtige Lebenskunst: improvisieren.

Der Morgenblick ist mein täglicher Gruß an Dich.
Und wenn Du magst, geht’s auf @jkpertl weiter.

Bei Instagram und Threads teile ich Gedanken, Alltag, Sonnenmomente und das, was zwischen den Zeilen oft auch noch zu mir gehört.

Ich freu mich, wenn Du vorbeischaust.