Morgenblick

Morgenblick

Schönen Guten Morgen!
Ab 50 steht morgens manchmal erst der Körper auf. Der Rest folgt später.
Hier ist Jürgen – Zeit für den Morgenblick!
Heute ist Freitag, der 17. Juli 2026.

Der Morgen ab 50 hat schon seine ganz eigene Dramaturgie.

Man wacht auf. Öffnet die Augen. Und bevor man überhaupt ernsthaft darüber nachdenken kann, welcher Tag heute ist, meldet sich irgendwo schon der Rücken.

Oder das Knie. Oder der Nacken. Oder irgendeine Körperstelle, von der man gestern noch gar nicht wusste, dass sie überhaupt zur Belegschaft gehört.

Man bleibt kurz liegen und führt innerlich eine kleine Bestandsaufnahme durch:

Alles noch da?
Alles beweglich?
Gibt es neue Geräusche?

Dann steht man auf. Na ja — man richtet sich zunächst einmal auf. Das eigentliche Aufstehen ist inzwischen manchmal ein mehrstufiger Prozess, der ein wenig Vorbereitung, Konzentration und einen guten Willen erfordert.

Früher sprang man aus dem Bett.

Heute steht man auf und der Körper klingt dabei ein bisschen wie ein altes Haus, das im Sommer arbeitet.

Ein Knacken hier. Ein Ziehen dort. Und irgendwo die leise Hoffnung, dass es sich nach den ersten zehn Schritten wieder einläuft. Meistens tut es das ja auch.

Und genau deshalb finde ich den Morgen ab 50 eigentlich gar nicht nur schlimm. Er ist ehrlicher geworden. Der Körper meldet sich. Er erinnert einen daran, dass er da ist. Dass er bewegt, gepflegt und hin und wieder freundlich behandelt werden möchte. Auch wenn er sich dafür manchmal einen ziemlich uncharmanten Zeitpunkt aussucht. Denn natürlich könnte man sich über jedes kleine Zipperlein ärgern. Man könnte morgens sofort eine Liste führen, was heute wieder nicht ganz so geschmeidig funktioniert wie mit 25.

Aber man kann auch darüber schmunzeln. Darüber, dass man inzwischen nicht mehr einfach aufsteht, sondern sich hochorganisiert. Darüber, dass das erste Strecken des Tages manchmal aussieht, als würde man versuchen, sich selbst wieder korrekt zusammenzusetzen. Und darüber, dass man trotzdem losgeht.

Vielleicht etwas vorsichtiger.
Vielleicht mit einem kleinen Knacken.
Vielleicht auch erst nach einem Moment am Bettrand.

Aber man geht. Und ganz ehrlich: Das zählt doch. Über 50 zu sein bedeutet nicht, morgens nur noch Defekte zu verwalten. Es bedeutet vielleicht eher, den eigenen Körper inzwischen besser zu kennen. Zu merken, wann er Bewegung braucht. Wann Ruhe. Wann ein bisschen Geduld. Und wann man ihn einfach freundlich daran erinnern muss, dass wir heute trotzdem etwas vorhaben.

Der Morgen darf dabei ruhig ein bisschen langsam anfangen. Wir müssen niemandem mehr beweisen, dass wir aus dem Bett springen können wie in einer Werbung für besonders aktive Frühstücksflocken. Es reicht vollkommen, wenn wir aufstehen, einmal durchatmen und nach ein paar Schritten feststellen:

Ach schau — läuft doch.

Tipp des Tages:
Gib Deinem Körper heute Morgen ein paar Minuten Zeit, bevor Du ihn für seine kleinen Beschwerden verurteilst. Vielleicht braucht er einfach nur Bewegung und einen freundlichen Start.

Komm gut in diesen Freitag.
Man liest sich.
Jürgen

P.S.:
Und falls es beim Aufstehen knackt: Solange es nicht herunterfällt, machen wir einfach weiter.

Der Morgenblick ist mein täglicher Gruß an Dich.
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