Liebe & Partnerschaft

Kinder ja oder nein? Das sind die Gründe dafür – und dagegen

Kinder bringen Freude und Sinn ins Leben – bedeuten aber auch Verantwortung und Verzicht. Was aus Sicht der Menschen in Deutschland außerdem für und gegen das Kinderkriegen spricht, hat die bevölkerungsrepräsentative ElitePartner-Studie 2022 untersucht. Dabei spielen auch Faktoren wie gesellschaftlicher Druck und Gleichberechtigung eine Rolle. Besonders brisant: Fast jede:r Dritte meint, dass man angesichts von Problemen wie Klimakrise, Krieg und Pandemie besser keine Kinder in die Welt setzen sollte.

Gemeinsam Kinder bekommen – für etwa jede:n Zweite:n ist das in einer Beziehung wichtig, wie die ElitePartner-Studie zeigte. Und die anderen? Sind möglicherweise noch unentschlossen. Welche Gründe für aber auch gegen das Kinderkriegen sprechen, zeigen die aktuellen, bevölkerungsrepräsentativen Ergebnisse von 6.103 Singles und Liierten mit und ohne Kinder.

Freude, Erlebnisse und Lebenssinn: Die häufigsten Argumente für Nachwuchs sind emotional

Kinder als Altersvorsorge? Das war einmal – dieser Aspekt landet mit 25 Prozent auf dem letzten Platz der Pro-Argumente. Die Studienergebnisse zeigen, dass Kinderplanung heute vor allem emotional begründet wird. Der größte Treiber: dass Nachwuchs Freude in den Alltag und das Leben bringt (64 Prozent) und man mit Kindern mehr erlebt (64 Prozent). Allerdings spielt auch die Sinnsuche eine Rolle: 6 von 10 Frauen und Männern finden, dass Kinder dem Leben einen (tieferen) Sinn geben (61 Prozent) und für 44 Prozent ist Nachwuchs ein Ausdruck der Liebe zum:r Partner:in (44 Prozent). Viele finden es zudem schön, etwas von sich weiterzugeben und zu sehen, wie die Gene weiterleben (62 Prozent). Spannend: Dieser Wunsch ist für beide Geschlechter bedeutsam bei der Entscheidung – und schlägt bei Frauen (65 Prozent) sogar stärker aus als bei Männern (59 Prozent).

Unabhängigkeit, Verantwortung und Finanzen sind die stärksten Gründe dagegen

Die häufigsten Argumente gegen das Kinderkriegen drehen sich vor allem um den Verlust der persönlichen Unabhängigkeit und Freiheit: 64 Prozent finden, dass man ohne Kinder unabhängiger ist und tun kann, was man möchte – und 60 Prozent meinen, dass man mit Kindern an einen sehr strukturierten Alltag gebunden ist. Für gut jede:n Zweite:n ist die hohe Verantwortung zudem ein Kontra-Argument (56 Prozent). Frauen (59 Prozent) sehen diesen Punkt etwas häufiger als Männer (53 Prozent) – möglicherweise, weil sie noch immer erwarten, dass sie einen größeren Teil der Verantwortung tragen müss(t)en. Nicht zuletzt glauben 37 Prozent der Befragten, dass Kinder schnell zu einem konservativen Leben führen. Aber auch Geld spielt eine Rolle: Jede:r Zweite sieht in der finanziellen Belastung, die Nachwuchs mit sich bringt, einen validen Punkt gegen die Familiengründung (55 Prozent).

Allerdings finden sich auch auf der Pro-Seite rationale und auf das eigene Wohlbefinden ausgerichtete Argumente: So meint gut jede:r Zweite ganz pragmatisch, dass Kinder jung halten (56 Prozent) und man mit Kindern im Alter weniger einsam ist (51 Prozent).

„Wann ist es bei euch so weit?“: Fast jede:r Zweite spürt den gesellschaftlichen Druck

Dass eine Familiengründung von weiten Teilen der Gesellschaft noch immer erwartet wird, zeigen die Daten eindrucksvoll. 45 Prozent haben das Gefühl, dass Nachwuchs gesellschaftlich erwünscht ist – dabei gibt es keinen Unterschied zwischen Frauen und Männern. 44 Prozent hinterfragen ihren eigenen Kinderwunsch wenig und meinen schlicht, Kinder gehören einfach zu einer Beziehung dazu. Noch deutlicher wird es allerdings, wenn nach sozialer Teilhabe gefragt wird: Hier zeigt sich, dass die Sorge, als kinderloses Paar ausgeschlossen zu werden oder nicht mehr mitreden zu können, einen Einfluss auf den Kinderwunsch hat: 43 Prozent argumentieren, dass man im privaten Umfeld schnell außen vor ist, wenn man keine Kinder hat.

Kinder als Treiber für Ungleichheit? Jede dritte Frau glaubt, auf das Mutter-Sein reduziert zu werden

Nicht zuletzt spielt auch das Thema Gleichberechtigung eine Rolle. Dass Chancengleichheit im Beruf für Eltern noch nicht erreicht ist, deutet sich an: So finden 47 Prozent der Frauen, dass Kinder mit vielen Berufen bzw. beruflichen Zielen nicht vereinbar sind. Mit 39 Prozent sehen das zwar auch viele Männer so, allerdings im Vergleich deutlich weniger. Außerdem glaubt mehr als jede dritte Frau, dass man durch Nachwuchs überwiegend auf die Rolle als Mutter reduziert wird (35 Prozent). Bei den Männern meinen nur 26 Prozent, durch Nachwuchs nur noch als Vater wahrgenommen zu werden.

Körperliche Veränderungen wiegen schwerer als gesundheitliche Risiken

Eine Schwangerschaft als Risiko: Medizinisch eigentlich eindeutig, doch stärker wiegt hierzulande offenbar die Sorge um das Aussehen. Mehr als jede zweite Frau sieht es als Argument gegen das Kinderkriegen, dass sich ihr Körper durch eine Schwangerschaft bzw. Geburt sehr verändert (54 Prozent). Auch für 4 von 10 Männern sind körperliche Veränderungen der Partnerin ein valider Grund gegen Nachwuchs (39 Prozent). Die gesundheitlichen Risiken durch eine Schwangerschaft bzw. Geburt sind dagegen deutlich weniger präsent und nur für gut jede vierte Frau (28 Prozent) und jeden vierten Mann (27 Prozent) ein Thema.

Krieg, Klima, Pandemie: Fast jede:r Dritte meint, man sollte deshalb besser keine Kinder in die Welt setzen

In welcher Welt wachsen Kinder auf, die jetzt geboren werden? Angesichts von Klimakrise, Krieg, Pandemie und anderen globalen Problemen machen sich viele Menschen darüber Gedanken. Fast jede:r Dritte (30 Prozent) sieht die aktuellen Krisen als Grund gegen eine Familiengründung. Jüngere Befragte von 18 bis 49 Jahren teilen diese Sorge häufiger (33 bis 34 Prozent) als ältere – aber auch für jede:n Vierte:n zwischen 50 und 69 sprechen schwierige Zukunftsaussichten aus heutiger Sicht gegen Nachwuchs (24 bis 26 Prozent).

Auswirkungen auf die Partnerschaft machen jedem:r Dritten Sorgen

Auch die Auswirkungen auf die Beziehung ist für viele ein valides Argument gegen die Kinderplanung. Dass die Qualität der Partnerschaft leidet, wenn Nachwuchs dazukommt, sehen 30 Prozent der Befragten als guten Grund gegen Kinder. Ein negativer Einfluss auf das Sexleben ist sogar für 35 Prozent ein Punkt, der dagegenspricht – ein Aspekt, den Männer (37 Prozent) übrigens stärker sehen als Frauen (32 Prozent). Und während die meisten Befragten zwar finden, dass man mit Kindern mehr erlebt, sieht es jede:r Vierte genau anders herum – und findet, dass man ohne Kinder mehr erleben kann (27 Prozent).

Liierte mit Kindern sehen Familiengründung positiver

Und wie sehen es rückblickend diejenigen, die bereits Kinder haben? Die gute Nachricht: Überwiegend positiv. Jeweils 80 Prozent der Liierten mit Kindern und 78 Prozent der Singles mit Kindern stimmen zu, dass Kinder Freude und mehr Erlebnisse in den Alltag bringen. 80 Prozent der Liierten und 78 Prozent der Singles mit Kindern bestätigen die sinnstiftende Wirkung von Nachwuchs und 7 von 10 fühlen sich durch ihre Kinder junggeblieben. Allerdings bestätigen auch 37 Prozent der Liierten mit Kindern, dass die Familiengründung das Sexleben beeinträchtigt (hat) und 30 Prozent geben zu, dass die Partnerschaft darunter leidet.

ElitePartner-Psychologin Lisa Fischbach: „Die Entscheidung für oder gegen Kinder ist hochkomplex und von vielen Beweggründen beeinflusst“

„Kaum eine Entscheidung im Leben hat so eine Tragweite wie die für oder gegen Kinder“, erklärt Diplom-Psychologin und ElitePartner-Expertin Lisa Fischbach die Vielfalt der Argumente. „Sie ist hochkomplex und von vielen Beweggründen beeinflusst. Emotionale Gründe treffen auf rationale – und individuelle Motive müssen in der Beziehung erst zum Konsens werden. Eine anspruchsvolle Aufgabe, auch weil immer noch gesellschaftliche Konventionen das Bild eines glücklichen Paares bestimmen und kinderlose Beziehung zweitklassig erscheinen lassen. Die Diskussion um den demografischen Wandel hat den Druck erhöht, besonders auf Frauen, die sich ohne Nachwuchs oft rechtfertigen müssen. Bei der weitreichenden Kinderfrage sehe ich die größte Verantwortung eines jeden darin, sich so frei wie möglich selbst zu hinterfragen – und dabei auch zu berücksichtigen, wie tragfähig die Beziehung und die Lebensumstände sind.“

Quelle: ElitePartner

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