Liebe & Partnerschaft

Zu wenig Me-Time, ständige Absprachen, Schlafenszeiten: Das stört Paare, wenn sie zusammenziehen

Die erste gemeinsame Wohnung gilt vielen als Meilenstein für Beziehungen. Aber das Zusammenwohnen bringt anfangs auch Schwierigkeiten mit sich – wenn nicht mehr nur Bett, sondern auch Badezimmer, Kühlschrank und Tagesrhythmus geteilt werden. Die bevölkerungsrepräsentative ElitePartner-Studie 2021 zeigt, wann und wie Paare zusammenziehen und was am Anfang besonders stört. Neben Ordnung, Schlafenszeiten und Einrichtungsstil kosten auch Absprachen, unterschiedlicher Musikgeschmack und das Gefühl der Beobachtung einige Nerven.

Sechs von zehn Paaren ziehen innerhalb der ersten drei Jahre zusammen

Zu einer festen Beziehung gehört eine gemeinsame Wohnung – das sieht offenbar die Mehrheit der 4.600 befragten Liierten so. Aktuell wohnen 88 Prozent von ihnen mit ihrem:r Partner:in zusammen. Dabei steigt der Anteil mit der Dauer der Beziehung kontinuierlich: Von den Paaren, die ein bis drei Jahre liiert sind, wohnen schon 59 Prozent zusammen. Zwischen fünf und zehn Jahren sind es sogar 87 Prozent und ab zehn Jahren Beziehungsdauer trifft man nur noch etwa fünf Prozent in getrennten Wohnungen an. Die meisten suchen sich gemeinsam eine neue Bleibe (65 Prozent der Paare, die zusammenwohnen), ansonsten ziehen Frauen etwas häufiger bei ihrem Partner ein, als andersherum. Immerhin: Ein Prozent aller Paare hat zwar zeitweise in einer gemeinsamen Wohnung gelebt, ist aber wieder auseinandergezogen.

Zu wenig Me-Time und unterschiedliche Schlafrhythmen stören besonders

Fragt man Paare, die innerhalb der letzten Jahre zusammengezogen sind, was sie anfangs gestört hat, fällt eine Antwort besonders häufig: Zu wenig Zeit nur für sich. Gut jeder vierten Frau (27 Prozent) und mehr als jedem dritten Mann (36 Prozent) ist die Umstellung anfangs schwergefallen. Insbesondere Männer in ihren Dreißigern müssen sich an die ständige Zweisamkeit gewöhnen (44 Prozent), während Frauen im selben Alter damit offenbar weniger Probleme haben (20 Prozent).

Auf Platz zwei der größten Störfaktoren landet das unscheinbare Thema Schlaf. Doch verständlich: Wenn ihmschon um 22 Uhr die Augen zufallen, während sie noch bis nach Mitternacht Serien schauen will, gerät das Zusammenleben schnell aus dem Takt. Entsprechend hatte jedes vierte Paar anfangs Probleme mit unterschiedlichen Schlafrhythmen.

„Wann essen wir heute?“ Frauen nerven die ständigen Absprachen – und das Chaos

Die Klopapierrolle falsch oder gar nicht aufgehängt, herumliegende Socken und Krümel: Für Frauen ist das Thema Ordnung klar Störfaktor Nr. 1, wenn sie mit ihrem:r Liebsten zusammenziehen. 31 Prozent von ihnen nervt nachlässiger Umgang mit Ordnung und Sauberkeit (Männer: 17 Prozent). Jeder siebte Mann (14 Prozent) fühlt sich umgekehrt gestresst von den hohen Ansprüchen, die in puncto Putzen an ihn gestellt werden (Frauen: 8 Prozent).

Ein weiterer Punkt, der Frauen stärker belastet als Männer: Die ständigen Absprachen, die auf einmal nötig werden, wenn man den gesamten Alltag miteinander teilt. Mehr als jede vierte Frau stört sich daran, sich ständig zu Tagesplanung, Arbeits- und Essenszeiten austauschen zu müssen (28 Prozent). Dagegen nervt das nötige Mehr an Kommunikation nur jeden fünften Mann (20 Prozent).

In jeder sechsten Beziehung wird der Einrichtungsstil zum Nervfaktor

Auch die Wohnung selbst kann Paare in der Anfangszeit Nerven kosten – vor allem dann, wenn man bezüglich der Einrichtung nicht auf einer Wellenlänge liegt. Jede:r Sechste gibt an, dass unterschiedliche Geschmäcker bei Deko und Einrichtungsstil nach dem Zusammenziehen für strapazierte Gemüter gesorgt haben (17 Prozent). Ähnlich viele beschweren sich über zu wenig Platz für ihre Sachen und für die Ausübung ihrer Hobbys (16 Prozent). Noch stärker stört es Männer allerdings, im gemeinsamen Alltag zu wenig Zeit für ihre Hobbys zu finden (23 Prozent), ein Problem, das interessanterweise nur sehr wenige Frauen teilen (5 Prozent).

Männer stört das Gefühl, beobachtet zu werden

Schon wieder zu lange gezockt oder zu viel gefaulenzt? Viele Männer müssen sich nach dem Zusammenziehen offenbar erst einmal daran gewöhnen, dass jemand anderes mitbekommt, wie sie ihren Tag verbringen. Jeden sechsten Mann stört das Gefühl, ihr:e Partner:in würde ständig bewerten, womit er seine Zeit zu Hause verbringt (15 Prozent). Dagegen nervt das nur jede zehnte Frau (10 Prozent). Dafür sind Frauen häufiger von lauten Geräuschen wie Poltern, geräuschvoller Hausarbeit oder der lauten Stimme ihres:r Liebesten gestresst (Frauen: 11 Prozent, Männer: 7 Prozent). Auch unterschiedlicher Musik-, Film- oder Seriengeschmack führt in manchen neubezogenen Haushalten zu akuter Genervtheit (13 Prozent). Vor allem Männer in den Dreißigern sind hier offenbar eigen (20 Prozent). Das Bad teilen zu müssen (7 Prozent), ein leergefutterter Kühlschrank (7 Prozent) oder ständiger Besuch (6 Prozent) sind dagegen nur in wenigen Partnerschaften ein Problem.

Psychologin Lisa Fischbach von ElitePartner: „Viele unterschätzen, was es bedeutet, zusammenzuziehen“

„Das Paarleben gemeinsam unter einem Dach zu gestalten, erfordert eine höhere Anpassungsleistung als viele Liierte vor dem Zusammenziehen erahnen“, erklärt ElitePartner-Psychologin Lisa Fischbach. „In den meisten Fällen stehen romantische Motive dahinter, wenn man sich entscheidet, Lebensentwürfe stärker zu vereinen. Doch letztlich geht es darum, weite Teile des Alltags miteinander zu teilen. Daher sollten Paare vorher weitsichtiges Bedürfnis-Management betreiben, etwa offen in Gesprächen klären, welche Vorstellungen sowie Wünsche nach Nähe und Freiraum mit dem Zusammenleben verbunden sind. Außerdem rate ich besonders für das erste Jahr zu regelmäßigen Austausch über das aktuelle, persönliche Wohlfühlklima.“

Quelle: ElitePartner

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